Athleten Tattoos und Abmahnungen

Ab und an findet man Meldungen in seinen News Feeds, die man selbst gar nicht so recht glauben mag, wenn man lediglich die Überschriften dieser Nachrichten bei Twitter oder Google+ angezeigt bekommt. Zu abgehoben und unglaubwürdig scheinen die News-Meldungen. Wenn man dann aber sieht, dass die Meldung nicht von irgendeiner 08/15 Online Seite sondern dem Wallstreet Journal stammt, wird man doch etwas hellhörig. So erging es zumindest mir, als ich auf die Nachricht „Athletes – Tattoo Artists want more skin in the game“ las. Leider befindet sich besagter Artikel hinter eine bezahlschranke, wenn man das WSJ nicht abonniert hat. Dies muss mich aber ja nun nicht davon abhalten, ebendiesen Artikel unter die Lupe zu nehmen (Kleiner Tipp: Wenn man dem Link von DeviantArt aus Google+ folgt, kann man den Artikel kostenlos lesen).

EA Sports und die Tätowierer

Wie ich schon bereits im April geschrieben habe, kommt bald das heiß ersehnte EA Sports UFC Game auf den Markt. Wie toll die Grafiken sind, konnte man schon den ersten Screenshots und Fight Sequenzen entnehmen, die von EA Sports angeteasert wurden. Wer aber nochmal einen kleinen Auffrischer braucht, für den haben wir uns natürlich auch diesmal etwas Material von EA Sports höchstpersönlich besorgt.

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Wie man sieht, sind die Athleten sehr realitätsnah und mit nahezu liebevollen Details ausgestattet. Selbst die Tattos der Athleten sind in bestechender Grafik umgesetzt worden und sorgen so für ein hohes Maß an Realität bei dem Game. Ebendies könnte EA Sports nun aber anscheinend zum Verhängnis werden, wenn es nach einigen findigen Anwälten und Tätowierern geht.

Der Fall Carlos Condit

Abmahnungen von Tattoo Artist Anwaltsvertretern sind bereits seit 2012 ein Thema. Damals wurde der nun Pleite gegangene Videospiel Entwickler THQ Inc. von dem Tätowierer Chris Excobedo und seinen Anwälten verklagt. THQ verwendete nämlich den Kämpfer Carlos Condit und somit auch den Löwen-Kopf, den Herr Condit auf seinen rechten Rippen trägt. Mittlerweile einigten sich zwar beide Parteien auf eine Zahlung in ungenannter Höhe, aber die Auswirkungen bekommt auch das neue UFC Game von EA Sports zu spüren. Das Ergebnis ist nämlich folgendes:

Carlos Condit fehlendes Tattoo bei UFC

Wie man sieht, bereiten die Athleten Tattoos den Videospiel Herstellern mittlerweile wohl die ein oder andere schlaflose Nacht. Der Löwe fehlt nämlich auf den Rippen von Carlos Condit und wie es scheint, wurde die Klage des Tätowierers somit zumindest nicht gänzlich abgeschmettert.

Wem gehört die Haut um das Athleten Tattoo herum?

Spätestens seitdem Boxer, Beachvolleyballer und andere Athleten mit non-permanent Tattoos auf der Haut Werbung für die Sponsoren machen, ist klar, dass sich mit diesem begrenzten Raum durchaus Geld machen lässt. Ein Punkt, den Tätowierer anscheinend unterschiedlich bewerten und auslegen. Während Mr. Escobar in dem Artikel zitiert wird und er sagt, dass Ihn niemand gefragt hat, ob seine Kunstwerke verwendet werden dürfen, empfinden dies andere Tätowierer nicht so. So sagt zum Beispiel ein gewisser Randy Harris, ein durchaus bekannter Tattoo Artist in der US-Sportszene, dass er seine Kunstwerke gegen Geld anbietet und der Sportler diese daher ja erwirbt und sie ausschließlich ihm gehören. Ein Standpunkt, dem ich persönlich eher folgen kann, da die Athleten Tattoos ja immerhin den Körper dieser durchaus mündigen Personen schmücken.

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Dies ist keinesfalls das erste Mal, dass dieses Thema zu einer Gerichtsverhandlung führte. Den bislang größten und vermutlich auch bekanntesten Streit gab es im Jahr 2011 um ein Tattoo, dass ebenfalls  einen bekannten Kampfsportler schmückt. Genauer gesagt ging es um das Gesichts-Tribal von Mike Tyson und die Verwendung ebendieses Tattoos im gesicht von Ed Helms im Film Hangover 2. Der Tätowierer S. Victor Whitmill mahnte daraufhin Warner Bros. Entertainment Inc. für eine Urherberrechtsverletzung ab. Immerhin handelte es sich um eins seiner Kunstwerke, welches illegal vervielfältigt wurde.

Urherberrecht und Körperkunstwerke

Das Thema Urherberrechte ist gerade im Internet ein sehr beliebtes Thema. Die Seite irights.info hat zum Beispiel einen kompletten Ratgeber-Bereich. Wie schwierig die Thematik an sich allerdings ist, zeigen die Gerichtsurteile bzw. die Begründungen ebendieser, die seitdem veröffentlicht wurden. Bislang wurde noch kein Gerichtsurteil darüber gefällt, wem die Tattoos auf der Haut einer Person gehören. Somit kann auch nicht definitiv gesagt werden, warum Tätowierer nicht dieselben Rechte haben sollten bei Ihren Kunstwerken wie Photografen oder andere Visual Artists. Schließlich ist die Definition für ein urheberrechtlich geschützte Kunst lediglich, dass es „ein gewisses Maß an Originalität“ aufweisen muss und auf einem berührbaren Gegenstand befestigt sein muss. Ob dies nun aber eine Leinwand, ein Film, ein Videospiel, eine Audio-Datei oder eben ein Stück Haut ist, wird nicht geklärt. Nebenbei weder in den USA noch in Deutschland.

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Athleten Tattoos und die Auswirkungen der Abmahnungen

Sowohl EA als auch die großen Sportverbände sind nun vorsichtig geworden, was die Vermarktung der Athleten bzw. deren Haut angeht. Die NFL Players Association, welche die Bildrechte der Athleten unter anderem an EA weitergibt, hält die Sportler dazu an von den Tätowierern schriftliche Einverständniserklärungen einzufordern, die sowohl die Sportler als auch die Unternehmen vor Regressansprüchen sichert. Bislang auch durchaus erfolgreich. So scheinen die meisten Tätowierer eine andere Strategie zu verfolgen als die Abmahner. So sagt zum Beispiel Mr. Harris in dem Beitrag, dass es sich für ihn bestimmt eher auszahlt mit den Sportlern per Du zu sein und Bilder mit den Stars der Szene machen zu können, als schnelles Geld im Gericht zu verdienen. Immerhin sollte die PR-Wirkung von den diesen Athleten und sonstigen Stars nicht unterschätzt werden.

Die Freundschaft zwischen Carlos Condit und Chris Escobedo scheint zumindest laut Bericht des WSJ seit den Verhandlungen auf Eis zu liegen. Es bleibt also abzwarten, wer am Ende aus diesem Streit als Gewinner hervorgehen wird. Hoffen wir, dass es die Fans sind. Denn Basketballspieler mit langen Ärmeln und Rollkragen will vermutlich niemand sehen. Weder im TV noch in den Games von EA und anderen.

 

(Quelle: Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von EA Sports)

Über den Autor

Eren ツ
Running, CrossFit, Martial Arts, Fitnessjunkie, Gin Lover & Digital Marketing Consultant. Germany, Turkey.

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