Brazilian Jiu-Jitsu Newbie Guide

Brazilian Jiu Jitsu

In unserem letzten Artikel haben wir uns mit der Entstehung und dem Durchbruch des Brazilian Jiu Jitsu beschäftigt. Während die Kampfsportart seit den frühen Neunzigern international immer populärer wird, treibt die Ausbreitung der Sportart auch in Deutschland erste Blüten. Während in so gut wie jeder größeren Stadt Vereine zu finden sind, die BJJ unterrichten, breitet sich die „Arte Suave“ auch in den ländlichen Gebieten immer weiter aus.

Die Zahl der Interessenten ist groß und im Zuge des MMA-Booms ist damit zu rechnen, dass sie mit Sicherheit nicht kleiner wird. Oft stehen angehende BJJler aber vor der Frage, was genau man eigentlich benötigt, wie der Sport aufgebaut ist und ob man bis zu einem gewissen Alter angefangen haben muss. Wir hoffen, mit diesem Artikel einige der Rahmenbedingungen für den Beginn mit dieser wundervollen Sportart klären zu können.

BJJ – Gi oder No Gi, das ist hier die Frage

Wer vom MMA kommt bzw. dort erstmals ins Kontakt mit BJJ/Grappling gekommen ist, wird wohl nicht schlecht staunen, wenn er in eine BJJ-Schule kommt und alle Trainierenden haben einen Gi bzw. Kimono an. Das klassische BJJ wird mit Gi trainiert, so gut wie jede Schule bietet daneben aber auch die Möglichkeit No Gi bzw. Grappling zu trainieren. Wer also keine Lust auf das Training im Gi hat, sei es weil er das Gefühl nicht mag, man damit im Sommer schwitzt ohne Ende oder Rashguards und Board Shorts einfach tausendmal cooler Aussehen, kann durchatmen.

Die Grundlagen sind bei beiden Arten gleich, es gibt jedoch die ein oder andere Besonderheit, die beachtet werden muss. Während das klassische BJJ mit Gi durch die Griffmöglichkeiten ein wenig statischer erscheint, dafür aber auch etwas technischer betrieben wird, ist No-Gi etwas schneller, dafür auf Grund der fehlenden Griffmöglichkeiten, Gi-Würger und Co. aber technisch nicht ganz so anspruchsvoll.

Unter Umständen werden auf Wettkämpfen auch unterschiedliche Regeln angewendet. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen nur soviel: während beim klassischen BJJ mit Gi die erlaubten Techniken vor allem bei niedrigen und mittleren Gurtklassen einigen Restriktionen unterliegen, ist bei vielen No Gi-Turnieren bereits ab dem Weißgurt z.B. ein Großteil der Beinhebel erlaubt.

Wer den Sport ohne Wettkampfambitionen ausüben will, für den spielt das natürlich keine Rolle. Letztlich schadet es aber nichts, sowohl im Gi also auch bei No Gi über rudimentäre Kenntnisse zu verfügen. Sportler, die im MMA kämpfen wollen, kommen am Training ohne Gi sowieso nicht vorbei. Es wäre wohl mehr als frustrierend, erst im Käfig zu merken, dass man einen Gegner ohne Gi bei weitem nicht so leicht greifen und festhalten kann.

Die Ausrüstung – Zahnschutz, Tiefschutz und Co.

An und für sich ist BJJ kein teurer Sport. Während man über die Vereinsgebühr verständlicherweise keine pauschale Aussage treffen kann, liegen die notwendigen Ausgaben für die Ausrüstung im erträglichen Rahmen. Einen normalen Gi sollte man ab 80€ bekommen, wer No Gi trainieren will, für den reichen zu Beginn auch Shorts und ein (wenn möglich) enges T-Shirt. Eng aus dem Grund, damit sich die Beine, Hände und Finger des Gegners nicht in der Kleidung verheddern. Sollen es doch Rashguard und Board Shorts (bzw. MMA-Shorts) sein, seid ihr bei den bekannten Marken für beides zusammen mit 80€-100€ dabei.

Worauf anfangs noch zu achten ist: da die meisten Trainingsgruppen auf Judo- oder Ringermatten trainieren, kommt es früher oder später zum unvermeidbaren „Mattenbrand“. Das kann aber insofern vermieden werden, als dass ihr euch langarmige Rashguards und Spats (lange Radlerhosen) zulegt. Wer unter mangelndem Selbstvertrauen leidet, sollte sich das Tragen von Spats aber zweimal überlegen, man erntet mitunter schon den ein oder anderen bissigen Kommentar der Trainingspartner.

Neben der passenden Kleidung braucht man eigentlich nur noch einen Zahn- und einen Tiefschutz. Beides ebenfalls Ausrüstungsgegenstände, die nicht sonderlich ins Geld gehen. Wenn ihr leicht Ringerohren bekommt oder auf jeden Fall verhindern wollt, dass eure Ohren irgendwann so aussehen, könnt ihr euch einen Ohrenschutz für ungefähr 20-30€ zulegen. Ebenfalls ratsam sind ab einer gewissen Trainingsintensität Knieschoner – eure Knie werden es euch vor allem bei intensiven Takedown-Training später danken.

Gibt es ein Höchstalter, um mit BJJ zu beginnen?

Diese Frage findet man in diversen Foren immer wieder. Dazu nur soviel: um mit BJJ anzufangen, ist man NIE zu alt. Natürlich wird man, wenn mit mit 40 seine Vorliebe für den Bodenkampf erkennt, wohl kein Weltmeister mehr werden. Gleichwohl kann man in der Master-Klasse, Talent und Trainingsfleiß vorausgesetzt, aber auch dann noch das ein oder andere große Turnier bestreiten und eventuell gewinnen.

Letztlich ist BJJ, vor allem als reines Hobby ohne Wettkampfambitionen ausgeübt, ein Sport für jedes Alter. Da sowohl Arme als auch Beine eingesetzt werden und oft auch auf dem Rücken liegend gekämpft wird, stärkt der Sport die gesamte Körpermuskulatur. Daneben ist der Zugewinn an Selbstvertrauen und die Verteidigungsfähigkeit auch nicht zu vergessen, schließlich wurde BJJ nicht als Sportart, sondern als Selbstverteidigungsform entwickelt. Also, auch wenn man die 30 schon überschritten hat: wenn ihr Lust auf ein bisschen Rollen habt, ab ins nächste Gym. Man wird euch mit Sicherheit freundlich empfangen, ganz gleich welchen Alters ihr seid.

Wie groß ist die Verletzungsgefahr?

Dieser Punkt ist wie immer im Kampfsport schwer zu beantworten. Es ist und bleibt Kampfsport und wie bei jeder anderen Kampfsportart können auch im BJJ Unfälle passieren. Lässt man die großen Unglücke mal außen vor, sind vor allem die kleinen Gelenke der Finger und Zehen, daneben die Bänder in Fußgelenk oder Knie anfällig für Verletzungen. Da der Sinn des BJJ der ist, seinen Gegner u.a. mit Hebeln zum Aufgeben zu zwingen, sind diese Verletzungen aber zu vermeiden, wenn beide Trainingspartner beim Sparring aufeinander aufpassen und der Unterlegene weiß, wann er abklopfen sollte. Falscher Ehrgeiz bzw. Stolz kann hier schnell zu vermeidbaren Verletzungen führen. Da im Gegensatz zum MMA aber komplett auf Schläge und Tritte verzichtet wird, erscheint die Gefahr – rein subjektiv gesprochen – aber nicht bedeutend größer als im Judo, Ringen oder anderen Kampfsportarten, die ihr Hauptaugenmerk auf den Bodenkampf richten.

Da ihr normalerweise aber auch einen fähigen Trainer haben solltet, wird dieser euch zu Beginn des Trainings sowieso nur mit Fortgeschritteneren trainieren lassen. So gibt es in einigen Gyms z.B. die Regel, dass Weißgurte die ersten paar Monate nur mit Blaugurten oder noch höher Graduierten trainieren dürfen, um das Risiko von Verletzungen zu vermeiden. Im Gegensatz zu manch anderen Sportarten verfügen Blaugurte im BJJ normalerweise schon über zwei bis drei Jahre Erfahrung und können risikoreiche Situationen gut antizipieren.

Wer also immer noch Interesse hat, sich die Kunst des Bodenkampfs etwas näher anzuschauen und vielleicht selbst mal die ein oder andere Runde auf der Matte zu drehen, dem sei der Besuch eines Gyms ans Herz gelegt. Es gibt nur wenige, die diesen Sport nicht lieben, nachdem sie ein paar Mal im Training waren. Egal ob arm, reich, jung oder alt – BJJ ist Sport und Selbstverteidigung für alle.

Über den Autor

Eren ツ
Running, CrossFit, Martial Arts, Fitnessjunkie, Gin Lover & Digital Marketing Consultant. Germany, Turkey.

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