Das 1×1 der Boxausrüstung

Boxen ist eine der klassischen, typisch europäischen Kampfsportarten und trotz aller Unkenrufe über den Untergang der Sportart international immer noch die mit Abstand bekannteste und beliebteste Kampfkunst. Auch deutschlandweit existiert eine Vielzahl von Vereinen, die sich dem eleganten Faustkampf gewidmet haben und seit ein paar Jahren gibt es neben dem klassischen Boxtraining auch Angebote wie Managerboxen, Fitnessboxen oder spezielle Frauenkurse.

Auch für Personen, die bisher noch nie mit Kampfsport in Berührung gekommen sind, erscheint Boxen als gut geeigneter Einstieg in die Welt der Kampfkünste. Gleichzeitig bleibt (oder wird) man körperlich fit und lernte bestenfalls noch jede Menge netter Leute kennen.

Bevor man das erste Mal den Fuß in die Trainingshalle setzt und den Sandsäcken Saures gibt steht aber die Frage im Raum, welche Ausrüstung man braucht. Wir gehen jetzt mal davon aus, dass ihr schon ein Probetraining absolviert habt und euch wirklich anmelden wollt.

Die Wahl der richtigen Handschuhe

Was brauch ich jetzt als angehender Boxer? Definitiv unerlässlich sind zwei Dinge: Mundschutz und Boxhandschuhe. Das klingt recht einfach. Doch wer einen Blick in unseren Shop wirft sieht, dass es vor allem mit Blick auf die richtige Handschuhwahl bereits einige Schwierigkeiten zu überwinden gilt. 8 Unzen? 10 Unzen? 16 Unzen? Als Einsteiger kann man da schnell durcheinander kommen, denn Handschuh ist nicht gleich Handschuh.

Als Faustregel gilt: je kleiner die Unzenzahl, desto leichter der Handschuh und desto härter der Schlag bzw. desto stärker die Schlagwirkung. Anfangs solltet ihr daher im Training und Sparring zu einem Handschuh zwischen 12 und 20 Unzen greifen, 16 oz (oz = Unzen) gelten gemeinhin als für Anfänger gut geeignet.

Wenn ihr eure Trainingshandschuhe durch das tägliche Sandsacktraining nicht so schnell verschleißen wollt, könnt ihr natürlich auch noch ein paar Sandsackhandschuhe kaufen, diese sind eigens für das Training am Sandsack oder Speedbag gemacht und nicht ganz so schwer. Absolut notwendig sind sie fürs Erste aber nicht. Preislich gesehen muss man für einen guten Trainingshandschuh mit ungefähr 40-50€ rechnen.

Wenn man sich für einen Handschuh entschieden hat, sollte man keinesfalls die Bandagen vergessen. Das Bandagieren der Hände ist wichtig, da so die Hand und das Handgelenk stabilisiert und vor Verletzungen geschützt werden.

Unverzichtbar: der Mund- bzw. Zahnschutz

Bei der Wahl des Mund- bzw. Zahnschutzes könnt ihr – vereinfacht gesagt – an sich nicht viel falsch machen. Die meisten Modelle werden in kochendem Wasser kurz erhitzt und dann an euren Oberkiefer angepasst. So soll ein perfekter Sitz garantiert werden. Wie überall gibt es natürlich auch hier Unterschiede in puncto Form, Farbe, Material und Absorbtionswirkung.

Die meisten Zahnschutzmodelle bieten aber insgesamt einen ausreichenden Schutz. Solltet ihr irgendwann aktiv Kämpfen wollen, wäre auch an eine Investition in einen eigens vom Zahntechniker angepassten Mundschutz zu denken. Diese Modelle können aber gut und gerne an die 300€ kosten, mit einem Standardzahnschutz fährt man anfangs also auf jeden Fall günstiger.

Für den Einsteiger zu Beginn vielleicht noch nicht absolut notwendig, insgesamt aber eine lohnenswerte Anschaffung sind Boxstiefel. Im Vergleich zu normalen Turnschuhen haben sie einen höheren Schaft und verschaffen dem Fuß damit mehr Stabilität im Sprunggelenk, was das Risiko bei schnellen Bewegungsabläufen umzuknicken minimieren soll. Gleichzeitig sind Boxschuhe mit einer rutschfesten Sohle ausgestattet, die das Ausrutschen im Ring oder in der Halle erschweren. Mit Handschuhen, Bandagen, Zahnschutz und Boxstiefeln sind die Basics geschaffen und man kann sich in Ruhe den Grundlagen des Faustkampfes widmen.

Für Fortgeschrittene: Kopf- und Tiefschutz

Mit steigenden Fertigkeiten wird dann aber auch das Thema Sparring immer wichtiger. Nachdem man die ersten Monate trainiert hat, die Fortgeschrittenen weitestgehend Rücksicht genommen haben und man noch nicht allzu viel Sparringerfahrung sammeln konnte, geht es von nun an Stück für Stück härter zur Sache. Da wir alle unsere grauen Zellen auch außerhalb des Rings noch brauchen, ist die Anschaffung eines Kopfschutzes zu überdenken, wie er im Amateurboxen jahrelang Pflicht war.

Der Kopfschutz dämpft die Schlagwirkung des gegnerischen Treffers und vermindert damit die Kraft, die auf euren Kopf – und damit letztlich auf euer Gehirn – wirkt. Bei den Kopfschützern gibt es einige unterschiedliche Modelle. Die meisten bedecken Stirn, Hinterkopf und Ohren, lassen das Gesicht aber frei. Demgegenüber gibt es Modelle, die zusätzlich über einen Schutz des Jochbeins und des Kinns verfügen. Kopfschützer mit Visier oder Gitter vor dem Gesicht gibt es zwar, diese werden im Boxsport aber eher selten genutzt.

Wie bei allen Helmen ist auch beim Kopfschutz sehr wichtig, dass er passend gekauft wird. Ist der Helm zu groß, verrutscht er bei Treffern, was im Sparring mehr als nervig werden kann, während ein zu kleiner Helm unangenehm zu tragen ist und nicht mehr die volle Schutzfunktion bietet.

Insbesondere für Männer konnte auch die Anschaffung eines Tiefschutz zu überdenken sein. Zwar geht die Trefferfläche beim Boxen nur bis zur Gürtellinie, wer aber bereits einen unabsichtlichen (oder absichtlichen) Schlag in diese Region einstecken musste weiß, dass das mehr als unangenehm sein kann. Ob ihr einen Tiefschutz mit herausnehmbarem Cup oder ohne wählt, ist euch überlassen, wobei erstere besser zu reinigen sind. Preislich seid ihr mit ungefähr 20€ dabei, richtige Profischützer, wie man sie bei Boxern im Fernsehen sieht, können aber auch mal bis zu 70€ kosten.

Schutzausrüstung – eine Investition in die eigene Gesundheit

Letztlich ist es natürlich jedem Sportler selbst überlassen, für wie sinnvoll er die Anschaffung der einzelnen Posten hält und für reine Hobbysportler, die das Boxen ohne große Ambitionen nur zum Aufbau von Kondition nutzen wollen, mag der ein oder andere Ausrüstungsgegenstand auch nicht absolut notwendig sein. Wer jedoch mit größeren Ambitionen durchstarten will, sollte zumindest die Basisschutzausrüstung besitzen. Spätestens, wenn der Zahnarzt mehrere tausend Euro für den Zahnersatz verlangt oder man auf Grund eines Knöchelbruchs ein paar Wochen an Krücken gehen muss, wünscht man sich, man hätte ein paar Euro in Schutzausrüstung investiert.

Über den Autor

Eren ツ
Running, CrossFit, Martial Arts, Fitnessjunkie, Gin Lover & Digital Marketing Consultant. Germany, Turkey.

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