Kampfsport für Kinder und Jugendliche

Kampfsport für Kinder

Kinder gehören sicherlich zu den schönsten Dingen, die einem Menschen im Leben passieren können. Gleichzeit, und das können wohl alle Eltern bestätigen, geht mit dem Erscheinen und Aufwachsen des eigenen Nachwuchs eine exponentielle Steigerung des heimischen Sorgenpotenzials einher. Wurde sich früher darum gesorgt, dass man die nächste Party verpassen könnte, drehen sich die Gedanken jetzt um Schulweg, Spielplatz und generell alle Situationen, in denen das Kind sich nicht im Blickfeld von Mama oder Papa befindet.

Je älter die Kleinen werden, desto mehr Freiheiten wollen sie verständlicher Weise. Gleichzeitig liegt es ja auch im Interesse der Eltern, die eigenen Kinder zu selbstständigen Persönlichkeiten zu erziehen. Und mal im Ernst, kein Mensch mag Über-Eltern, die ihre mittlerweile Nicht-mehr-ganz-so-Kleinen mit 14 noch nicht alleine Bus fahren lassen.

Um sich selbst aber wenigstens ein bisschen sicherer zu fühlen, wenn der Nachwuchs mal wieder alleine oder mit Freunden unterwegs ist, gelangen manche Eltern zum Entschluss, ihren Sohn oder ihre Tochter in einem Kampfsportverein anzumelden. Doch welche Kampfsportart wählt man? Was passt zu meinem Kind und ab welchem Alter bringt das überhaupt was? Allgemeingültige Antworten gibts natürlich auch hier nicht, wir haben uns dem sehr interessanten Thema „Kampfsport für Kinder“ trotzdem mal angenommen und einen kleinen Guide geschrieben, worauf mal als Eltern so achten sollte.

Kampfsport für Kinder – sinnvoll oder überflüssig?

Warum sollte mein Kind mit Kampfsport beginnen bzw. eine Kampfkunst trainieren? Diese Frage ist recht einfach mit einer Gegenfrage zu beantworten: warum nicht? Spaß beiseite: es gibt viele positive Effekte, die Kampfsport (wie Sport allgemein) auf die Entwicklung ihres Kindes hat. So unterstützt es zum Beispiel die körperlichen Entwicklung. Gerade in Zeiten, in denen unser Nachwuchs bis zu 10 Stunden in der Schule verbringt, danach zur Nachhilfe soll und abends noch am heimischen PC die nächste Zombiehorde jagt, mangelt es einem Großteil der Jugend einfach an Möglichkeiten, sich zu bewegen. Den eigenen Körper kennenzulernen und seine physischen Fähigkeiten zu verbessern – dazu reichen drei Stunden Schulsport bei Weitem nicht aus.

Gleichzeitig bietet Kampfsport die Möglichkeit, dass die Kinder den Stress und die überschüssige Energie, die sie während eines langen Schultages aufgebaut haben, abbauen können. Schulunterricht ist selbstredend notwendig, aber zig Stunden ruhig sitzen liegt eher weniger in der Natur des Menschen. Die aufgestaute Energie muss raus, vor allem bei Kindern. Und was bietet sich da besser an als Sport? Spiel, Spaß, Aggressionsabbau und die Knüpfung neuer Freundschaften – all das ermöglicht die Ausübung von Sport.

Ausbildung für Körper und Geist

Aber warum gerade Kampfsport? Ganz einfach: weil Kampfsport nicht nur den Körper trainiert, sondern auch den Geist. Disziplin, Respekt, Hartnäckigkeit – alles Eigenschaften, die man im Kampfsport vermittelt bekommt und die man auch im Alltag gut gebrauchen kann. Kinder erlernen im Kampfsport spielerisch, was es heißt, sich selbst zu disziplinieren, sich an vorgegebene Regeln zu halten und den Trainer und die Trainingspartner zu respektieren. Daneben ermöglicht Kampfsport ihrem Kind, Erfolge auch (oder gerade?) außerhalb der Schule zu feiern, entweder in der eigenen Progression oder im Vergleich mit Gleichaltrigen.

Egal ob der nächsthöhere Gürtel oder eine Platzierung bei einer Meisterschaft – ihr Kind wird freudestrahlend nach Hause kommen. Und was erfüllt Eltern mit mehr Freude als lachende Kinder? Daneben ermöglicht Kampfsport ihren Jüngsten auch sich spielerisch mit Altersgenossen zu vergleichen. Das Kräftemessen gehört zum Erwachsenwerden und die Möglichkeit zum Vergleich mit Gleichaltrigen kann besonders für die Entwicklung körperlich sehr aktiver Kinder von großer Wichtigkeit bei der Ausgestaltung der eigenen Persönlichkeit sein.

Nur Sport oder auch Selbstverteidigung?

Etwas problematisch, vor allem im jungen Alter, ist die Frage nach der Fähigkeit zur Selbstverteidigung. Was das Erlernen einer Kampfkunst oder eines Kampfsports definitiv mit sich bringt, ist ein verbessertes Selbstvertrauen. Kinder lernen, sich Mitschülern gegenüber zu behaupten und selbstbewusster aufzutreten. Kampfsport bildet keine Schläger aus, aber es verhindert eventuell, dass ihre Kinder zu Opfern werden. Hierbei muss aber stets auch die Realität im Auge behalten werden. Egal, was Trainer oder Schulen ihnen versprechen: ein Kind bleibt ein Kind, und wenn ein Kurs mit dem Versprechen wirbt, dass ihr achtjähriges Kind sich nach dem Besuch des Kurses auch problemlos gegen Erwachsene zur Wehr setzen kann, seien sie vorsichtig. Auch unter Kampfsportschulen gibt es schwarze Schafe, die um die Angst der Eltern wissen und daraus Kapital schlagen wollen.

Zu früh? Gibts (fast) nicht.

Gründe, um mit Kampfsport zu beginnen, gibt es also mehr als genug. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind, mit dem Sport anzufangen?

Eine eindeutige Antwort lässt sich hier natürlich nicht geben. Kinder entwickeln sich nicht alle gleich, dementsprechend müssen die Eltern abschätzen, ob ihr Nachwuchs zur Ausübung einer Sportart schon bereit ist. Ein geeignetes Einstiegsalter dürfte grob zwischen vier und sechs Jahren liegen. Es gibt Vereine, die Training auch schon für Jüngere anbieten, hier müssen die Eltern aber genau hinschauen, ob man das Kind nicht etwas überfordert. Generell gilt aber: sind die Kinder alt genug, um Sport zu treiben, sind sie auch bereit für Kampfsport.

Hat man sich schließlich dazu entschieden, seinen Nachwuchs in einem Verein anzumelden, beginnt die schwierigste Aufgabe. Die Suche nach einer passenden Sportart sowie einem passenden Verein. Hier gilt es, den Charakter des Kindes gut einzuschätzen. Ist mein Kind eher ruhig oder gehört es zu den Rabauken in der Klasse? Hat es Berührungsängste oder darf es auch mal etwas ruppiger zur Sache gehen? All das muss beachtet werden, denn Kampfsport ist nicht gleich Kampfsport.

Von zentraler Bedeutung: Spaß!

Ganz wichtig: das Kind sollte Spaß haben! Daher gilt es, die Kampfkunst auszusuchen, die am besten zu ihrem Kind passt, nicht die, die den Eltern am besten gefällt. Habe ich ein ruhigeres Kind, wäre es z.B. anfangs im Judo oder Aikido gut aufgehoben, da hier auf Schläge und Tritte verzichtet wird.

Ist mein Kind etwas aktiver, scheinen Karate, Kickboxen oder das klassische Boxen geeignet. Auch interessant wäre Brasilianisches Jiu Jitsu oder Ringen, das mancherorts in Deutschland ja noch sehr aktiv betrieben wird, auch wenn es medial nur sehr schwach vertreten ist.

Ist die richtige Kampfsportart gefunden geht es an die Vereinssuche. Hier kann es durchaus zu Schwierigkeiten kommen, gibt es im Kampfsport doch zahlreiche Verbände, denen eine Schule angehören kann. Da den Durchblick zu behalten, fällt nicht nur Eltern schwer. Auch die Qualifikation der Trainer ist nicht immer wirklich abzuschätzen, schließlich gibt es keine staatliche Institution, die kontrolliert, ob ein Trainer den Grad innehat, den er vorgibt. Auch die pädagogische Qualifikation der Trainer kann immense Unterschiede aufweisen, was im Voraus leider meist nicht zu erkennen ist.

Daher gilt: bevor sie ihr Kind in einem Verein anmelden, vereinbaren sie auf jeden Fall ein Probetraining und schauen sie sich die Schule und Trainer an. Ein guter Trainer wird nie etwas dagegen haben, dass sich zukünftige Schüler (und deren Eltern) von der Qualität seiner Leistung überzeugen wollen. Achten sie auch auf die Stimmung während des Trainings. Disziplin ist integraler Bestandteil einer Kampfsportart, wichtig ist aber auch, dass der Trainer es hier nicht übertreibt. Kinder sind Kinder und sollten auch so behandelt werden.

Auch hier gilt: die Kinder sollten Spaß haben. Wenn Trainer oder Eltern ihre Sprösslinge zu stark unter Druck setzen oder mit übertriebenem Leistungsdruck ans Werk gehen, erreichen sie eher das Gegenteil. Die Kinder verlieren die Lust und werden die Sportart früher oder später aufgeben. Demgegenüber gilt: wer Spaß hat, lernt schneller.

Erstausrüstung kostet meist weit weniger als 100€

Auch finanziell gibt es Unterschiede zwischen den Vereinen. Handelt es sich um eingetragene Vereine ist der Beitrag meist recht gering. Hier kann es sein, dass man monatlich nicht mehr als fünf Euro zahlen muss. Private Vereine können diesbezüglich mitunter weitaus teurer sein, hier sind Monatsbeiträge von 30-50 Euro keine Seltenheit. Die Kosten für eine Erstausrüstung hält sich bei allen Kampfsportarten meistens in Grenzen, hier sind sie, egal ob Judo, Karate, Taekwondo, Kickboxen oder BJJ mit deutlich weniger als 100€ dabei.

Haben Sie schließlich den Verein ihres Vertrauens gefunden heißt es: Viel Spaß. Ihr Kind wird es ihnen danken. Und wer weiß, vielleicht bekommt der ein oder andere Vater oder die ein oder andere Mutter ja auch mal wieder Lust, nach 20 Jahren Pause die Handschuhe oder den Gi vom Dachboden zu holen und mit dem Sohn bzw. der Tochter zusammen zu trainieren. Wie heißt es so schön: „There’s life in the old dog yet.“

Über den Autor

Eren ツ
Running, CrossFit, Martial Arts, Fitnessjunkie, Gin Lover & Digital Marketing Consultant. Germany, Turkey.

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